Andacht Juni 2018 - August 2018

Wer aufbricht, der kann hoffen…

"Vertraut den neuen Wegen" singen wir in unseren Gottesdiensten – auch besonders gerne bei Trauungen. Ein wunderschönes Lied (EG 395) – der Dichter Klaus Peter Hertzsch aus Jena hat es für die Hochzeit seines Patenkindes 1989 gedichtet, zu singen nach alter Kirchenmelodie. Sehr schnell wurde es in den Friedensgebeten in der DDR im Herbst 1989 verbreitet und gerne gesungen - Aufbruch im Kleinen wie im Großen. Dieses wunderbare Lied ist in unser aktuelles Gesangbuch als eines der jüngsten Lieddichtungen hineingekommen.

Aufbrüche, wenn möglich gemeinsame Aufbrüche, sind hier in den Blick genommen. Das Lied atmet  Freiheit und Offenheit - „das Land ist hell und weit“.

In der Bibel lesen wir von Menschen, die so eine Aufforderung Gottes für sich hören: „Vertraut den neuen Wegen“ – denken wir an Abraham (1. Mose 12): Er wird mit seiner Familie gerufen und auf einen Weg geschickt, dessen Ziel er noch nicht sehen kann. Hätte damals schon - wie in der heutigen Zeit - das Fernsehen wichtige Ereignisse auf der Erde begleitet, es wäre wohl kaum Notiz genommen worden von diesem Aufbruch. Erst im Rückblick erkennen wir den großen Spannungsbogen. Für uns alle beginnt die Glaubensgeschichte, die sich später fortsetzt mit den Worten von Jesus an seine Jünger "Gehet hin in alle Welt". Inmitten der großen Weltgeschichte, oft verborgen, vollzieht sich Gottes Geschichte. Neben dem Weltgeschehen steht die Heilsgeschichte. Gott ruft heraus und zeigt ein Ziel. Eine Generation von Glaubenden nach der anderen nimmt diesen Ruf neu auf und hört ihn als Ruf an sich selber. Jede Generation stellt sich neu in den Glauben und die Tradition der Vorgänger. Wir sind Teil dieser Geschichte, die von Abraham und Sara auf Jesus Christus weist. Wir leben von Christus her und warten auf seine Wiederkunft. Wie Abraham wissen wir nicht die Einzelheiten unseres Weges, wissen nicht, was morgen und übermorgen auf uns wartet. Wir wissen aber, dass es ein Tag sein wird, an dem wir in Gottes Hand geborgen sein werden. In diesem Sinne vertrauen wir den neuen Wegen.

Ich habe das Gefühl, unsere Ängste und Sorgen verhindern manchmal, dass wir frei in die Zukunft schauen. Dann brauchen wir ganz besonders den Zuspruch, den Gott uns in liebevollen Menschen zukommen lässt.

In der Zeit, die jetzt direkt vor uns liegt, haben viele von uns die Chance in Urlaub und Reisen ganz praktisch einmal andere Wege zu gehen. Wahrscheinlich eine wunderbare Gelegenheit auch den eigenen Lebensweg zu bedenken: Wie kann ich weitergehen? Was für ein Geschenk sind die geliebten Menschen, die mit mir gegangen sind und die das weiter tun… Bin ich offen für das, was Gott mir zeigen will?

Versuchen Sie doch, das Lied mal mit ganzem Herzen zu singen. „Vertraut den neuen Wegen, auf die der Herr uns weist, weil Leben heißt sich regen, weil Leben wandern heißt...“ Aufbrechen, mal etwas Neues wagen, einen unbekannten Weg einschlagen, egal, wie es vielleicht ausgeht: das ist Leben. Gott geht mit und führt uns hinaus in unbekanntes Land, das er für uns bereithält. Was kann mir geschehen, wenn er doch bei mir ist? Ich werde sozusagen an die Hand genommen, heraus aus allen Erstarrungen. Ich wünsche Ihnen diesen befreienden Aufbruch.                                                                                                                                                                                            Pastor Ulf Sievers