Andacht September - November 2018

Im Glauben gehen wir unseren Weg, nicht im Schauen.
Korinther 5,7

Wir gehen unseren Weg – jeder, jede von uns. Wir gehen unseren Lebensweg, über seine wunder- schönen Höhen, wo die Freude regiert und alles unbeschwert erscheint, und wir gehen unseren Lebensweg durch so manche bitteren Tiefen, wo es anscheinend nur noch Leid und Elend, Trauer und Tränen gibt.

Das ist mein erster Gedanke als ich bei meiner persönlichen Bibellese bei Paulus an dieser Stelle angelangt bin. Wir gehen unseren Weg und möchten allzu gerne „schauen“ - wissen, wo es längs geht, wie es weitergeht, welche Perspektiven da sind, wohin ich mich wenden kann. Manchmal gelingt das sogar  in kleinen „Lichtblicken“, doch meistens ist es davorne wie eine dunkle Wand, eine Mauer, an der man sich die Stirn blutig rennt.

Fluchtweg?! - Ausweg?! - Einbahnstraße ohne Wiederkehr, Sackgasse ohne Umkehrmöglichkeit?! Viele Menschen heutiger Tage bewegen wohl solche Gedanken, versuchen sich herauszuziehen aus dem Loch, in das sie fielen, und doch nicht herausommen. Da sind die persönlichen Probleme; in schwerer Krankheit, in Eheproblemen,  in Konflikten zwischen den Generationen, in Existenznöten, in Trauer. Eine zunehmende politische Orientierungslosigkeit in der Welt ist einfach nur wahrzunehmen. So manche bemühen sich um die Bewahrung der Schöpfung und kommen doch nicht    weiter. Die zunehmende Heftigkeit der Wetter-umschwünge und -kapriolen nehmen zu, das spüren wir einfach, sehen es, erleben es. Der Weltfrieden ist so gefährdet wie lange nicht mehr. - Wir gehen unseren Weg, welchen?  - Alle Lebenshoffnung scheint erdrückt. Oder doch nicht? - Sind wir wirklich weglos, sind wir wirklich orientierungslos unterwegs? Von Paulus lerne ich an dieser Stelle die Antwort:  NEIN!

Wir gehen einen Weg, sagt Paulus. Er meint damit einen ganz bestimmten Weg: den Weg des Glaubens. Dieser Weg ist nicht in Watte gebettet,  führt nicht über die Wolken in ein Wolkenkuck- kucksheim. Ein Weg, auf dem wir auch nicht den Problemen und Fragen unserer Welt und Zeit einfach entfliehen könnten. Das alles ist da. Es ist kein Weg, auf dem sich alles automatisch auflöst und aus schwarz einfach weiß wird.

Der Weg des Glaubens führt gerade mitten durch diese Welt, mitten durch all` das, was da verquer im Wege liegt und nach Lösungen verlangt.

Auf diesem Weg sind wir nicht als welche unterwegs, die das „Himmelreich schon in der Tasche“ hätten  und getrost alles hinter sich lassen könnten, nicht mehr daran denken, was da so sehr drückt. Auch wir als Glaubende schauen nicht, sehen nicht, sind keine Orakelspezialisten, nein. Aber wir sind unterwegs mit einem großen Vertrauen, einer großen Hoffnung: Gott selbst wird am Ende alles neu machen, einen neuen Himmel, eine neue Erde schaffen, in der kein Leid, Schmerz und Tod mehr sein werden. Ja, genau das dürfen wir wissen in unserem Glauben.

Wer den Weg des Glauben betritt und weitergeht im Vertrauen auf Gott den Schöpfer und Erhalter seiner Schöpfung, der wird gelassener und getroster den Problemen und Fragen und Nöten begegnen können. Als Glaubende wissen wir, wo der Weg - über Kreuz und Auferstehung Jesu Christi- hinführt: ins Leben hinein, schon jetzt, in ein Leben in Fülle und Ganzheit, unzerstörbar, unverlierbar.

Diese Gewissheit möchte Raum greifen bei uns, wachsen, groß werden und keiner braucht sich sorgen um das Ziel des Weges. Auf diesem Weg wird der Mensch sich öffnen können, mit Phantasie, mit Mut, mit Zuversicht, nach neuen Wegen zu suchen, die aus manchen Sackgassen herausführen. Er wird nicht nur kopflos die Ausweglosigkeiten sehen, sondern weiterführende Wege entdecken.

Wir gehen unseren Weg – gut, wenn es der Weg des Glaubens in Gott ist –  er trägt so viele hoffnungsvolle, zukunftsträchtige Perspektiven in sich. Da ist das Vertrauen, Gottes Wege führen weiter; ihm kann, ihm will ich mich anvertrauen. Ja, selbst dann, wenn heute vielleicht noch nicht sichtbar ist, wo es genau längs geht; und doch ist er da, der Weg, der in eine Zukunft führt, in der ich, in der alle, in der alle Welt leben kann.

Das ist Hoffnung – heute und morgen – für einen jeden persönlich in seiner Situation.

Das ist Hoffnung – heute und morgen – für unsere Welt, in der wir leben mit ihren Fragen und Problemen, die wir nach wie vor, gemäß unseres Schöpfungsauftrages, zu bebauen und zu bewahren haben. Und dem, der der Schöpfer und Erhalter ist, dürfen wir getrost mit  Psalm 104,30 bekennen: „Du, HERR, erneuerst die Gestalt der Erde.“

Diese Hoffnung wünsche ich Ihnen
Ihr  Dieter Bergholz