Andacht Dezember 2017 - Februar 2018

„in Frieden… wie du gesagt hast“

Liebe Gemeindeglieder,

Dunkelheit und Licht – in diesen Tagen ist es früh dunkel und wir können viele Lichter sehen, ohne wirklich viel zu erkennen. Das ist mein Eindruck im Straßenverkehr und weit darüber hinaus. Was funkelt und leuchtet nicht alles, manchmal aufwendig hergerichtet, und will unsere Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Vieles flackert und irrlichtert, anderes kann durchaus gemütlich und wohltuend leuchten.

 

Die Scheinwerferlichter der Autos erzählen von den vielen Besorgungen, die in der Adventszeit geschehen, nicht selten in einem gewissen Stress. „Es soll doch alles in Ordnung sein und schön werden zum Fest!“

 

Manches kann ich auch sehr genießen: Die Kerze im liebevoll hergerichteten Wohnzimmer zünde ich gerne an. Sie erinnert mich an die Worte vom Licht in der Dunkelheit, die die Weihnachtsbotschaft umschreiben. Es ist aber jedes Jahr doch ein gewisser Weg mit vielen Schatten, auf der Suche nach dem Frieden der Heiligen Nacht: Wann werde ich die tiefe Weihnachtsfreude fühlen, von der ich in der Bibel lesen kann? Der beste Weg erscheint mir, mit den Erfahrungen der biblischen Menschen mitzugehen, denn sie haben ähnlich gesucht, gewartet und empfunden wie wir.

 

Lukas (Kapitel 2) erzählt - direkt nach der Geburt Jesu - von einem älteren Mann in Jerusalem, der Simeon heißt. Er wartet im Vertrauen auf Gott auf den Retter. Und er kam auf Anregen des Geistes in den Tempel. Und als die Eltern das Kind Jesus in den Tempel brachten, um mit ihm zu tun, wie es Brauch ist nach dem Gesetz, da nahm er ihn auf seine Arme und lobte Gott und sprach:

 

 Herr, nun lässt du deinen Diener in Frieden fahren,
 wie du gesagt hast;
 denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen,
 den du bereitet hast vor allen Völkern,
 ein Licht, zu erleuchten die Heiden
 und zum Preis deines Volkes Israel.

 

…Das ist ein befreiter froher Gesang des Simeon! Sein Warten und Hoffen hat endlich seine Erfüllung gefunden. Simeon fühlt tiefen Frieden. Er weiß sich gerettet und aufgehoben durch Gott. Für die Menschen um ihn herum wird sein Jubel merkwürdig geklungen haben, auch für Maria und Josef, denn wir lesen: Und sein Vater und seine Mutter wunderten sich über das, was von ihm gesagt wurde. Dass dieses kleine Kind das Licht für die Welt ist, das hat in diesem Moment Simeon gesehen, aber wer sonst? Unscheinbar und klein, ein Baby im Tempel, von den Eltern gebracht, nichts Ungewöhnliches damals. Simeon aber sah tiefer und, geschult durch sein langes Warten und Beten, mit dem Herzen! Da erkannte er in diesem Kind den von Gott versprochenen Heiland, den Retter der Welt. Und er vermochte trotz seiner alten Augen das aufleuchtende Licht zu erkennen, ganz zart noch, aber ausreichend, um alle Dunkelheiten dieser Welt mit Licht und Wärme zu füllen! Wie leicht könnten wir in den vielen grellen Lichtern dieser Welt dies übersehen, aber es ist da: Jesus ist geboren! Gott nahe bei den Menschen! Friede soll sein auf Erden!

 

Ich wünsche jedem und jeder von uns die Geduld und die tiefe Hoffnung, die Simeon hatte. Und möge Gott uns solche sehenden Augen des Herzens schenken, damit der Friede der Heiligen Nacht einziehe – in unseren Häusern und in der ganzen Welt!

Pastor Ulf Sievers