Andacht September - November 2017

Vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang sei gelobet der Name des Herrn. 
(Psalm 113,3)

Der Mensch, der dieses in seinem Gebet zum ersten Mal sprach, kannte wohl noch keine Uhr wie wir – mit Zeigern oder digital, mit Weckvorrichtung und Minicomputer am Handgelenk. Seine Zeiteinteilung war die des Wechsels von Tag und Nacht: „vom Aufgang der Sonne bis sie wieder untergeht“. Zeit, in der er Zeit hatte für Gott, Zeit für seine Verrichtungen, für sein Tagewerk.

Unsere Zeiteinteilung heute ist da schon enger geworden: wir rechnen in Minuten, Sekunden, wir rechnen genauer. Aber das Ergebnis ist, dass wir oftmals das Gefühl haben: wir haben keine Zeit! Ein Termin jagt den anderen – und der Termin mit Gott? Er konnte wieder einmal nicht eingehalten oder eingeschoben werden in den hektischen Tagesrhythmus.

So bringen wir uns aber um einen entscheidenden Termin, der uns am Beginn, während des Tages und über den Tag eine unerschöpfliche Ruhe brächte, Atem, Kraft zu schöpfen, die wir nötig brauchen. Nicht besinnungslos durch die Zeit zu laufen, sondern „mit allen Sinnen“ jeden Tag als Geschenk nehmen, wo ich, Mensch, fühlend, schmeckend, riechend, hörend und sehend wahrnehmen darf und mich darauf besinnend reden und handeln kann.

Das gewinnen wir aber nur dort, wo das Loben Gottes seinen Platz hat und Raum gewinnt. Den Namen Gottes loben, was eine Weite schafft für die Zeit, die uns Menschen zur Verfügung steht. Seinen Namen loben, das bedeutet: ihm danken dafür, wie er sich uns bekannt gemacht hat als der, der für uns da ist; der mit uns geht durch diesen Tag; der diese Zeit, Atem, Kraft schenkt. Sein Name lautet schließlich: Jesus Christus, Heiland, Retter, in dem er völlig für uns da ist.

So müsste jeder Tag beginnen, mit diesem Loben Gottes. Wenn ich mich ihm zuwende, werde ich gelassener in meiner Zeit, gelassener in meinen Schwierigkeiten und Nöten. Bei dem, der mich hält und trägt, der für mich da ist, habe ich jederzeit einen Termin, wo ich ihm all das vortragen kann, es aussprechen kann, was mich bewegt: meine Freude wie das bitterste Leid. Das Loben seines Namens behält seinen guten Grund, selbst da, wo mein Gebet vielleicht anders erhört wurde als ich gebeten hatte, denn sein Name sagt mir: ich, Gott, bin für dich da, auch jetzt in dieser Zeit, in der du dich über die Maßen freust oder in tiefstem Leid sitzt.

Sein Name – ein festes Versprechen, uns gegeben.Sein Name, mit dem Gott uns sagt:“Ich bin für dich da!- Du brauchst nicht bange werden. Du musst nicht ruhelos durch deine Zeit hetzen!“ Wissen wir um dieses Versprechen, sollten wir doch in unserer eher ruhelosen Zeit beginnen zu lernen, „Danke“ zu sagen. Wir bekommen die Zeit für diesen wichtigen Termin: gelobt sei der Name des Herrn Tag für Tag! Soweit dieses Lob aber in unserem Alltag verstummt, soweit reicht der Tod schon in unser Leben hinein. Ja, der Tod regiert dort, wo das Loben Gottes verstummt. Der Psalmbeter sagt einmal:“Die Toten loben Gott nicht mehr.“

Dieser Gott, unser Herr aber hat in seinem Sohn Jesus Christus diesen Tod bezwungen und Leben und ein unvergängliches Wesen ans Licht gebracht – für uns, und darum gilt umso mehr: “Vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang sei gelobet der Name des Herrn.“

Pastor Dieter Bergholz